Als Elfter hinter den eigenen Erwartungen zurück

Sieben Gründe, warum es bei den Huskies derzeit nicht läuft

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Hat noch Luft nach oben: Torhüter Marcel Melichercik steht als ausländischer Spieler besonders im Fokus.

Das erste Saisondrittel in der zweiten Eishockey-Liga ist absolviert: Nach 16 von 52 Spieltagen der DEL2-Hauptrunde sind die Huskies nach unten durchgereicht worden. 

Durch die Niederlage in Bad Tölz gehen sie als enttäuschender Elfter in die Länderspielpause und bleiben damit weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. 

Sieben Gründe in der Übersicht, warum es bei den Huskies nicht läuft.

1. Weil der Torhüter bislang nicht die Erwartung erfüllt: Von einem Torwart wird erhofft, dass er seinem Team mit tollen Paraden so manchen Punktgewinn, im besten Fall auch mal einen Sieg sichert – insbesondere, wenn er eine der vier Ausländerstellen besetzt. Deshalb waren die Erwartungen an Marcel Melichercik groß. Erfüllt wurden sie noch nicht. Der Slowake kam mit der Empfehlung einer starken halben Hauptrunde aus Heilbronn. er sollte in engen Spielen den Unterschied machen können.

Mit einer Fangquote von 90,97 Prozent belegt er im Liga-Vergleich keinen Spitzenplatz. Er hält solide, aber nicht überragend. Hinzu kommt, dass er sich von den Unsicherheiten der Vorderleute anstecken lässt, in schwierigen Phasen häufiger hektisch wird. Nachwuchsmann Leon Hungerecker (91,43) hat dagegen bisher überzeugt und bereits gezeigt, dass er eine Option für die Zukunft ist.

2. Weil die Stürmer nicht treffen: Die Saison begann als ein großes Versprechen. 26 Tore erzielten die Huskies in den ersten fünf Spielen. Höhepunkt: das 8:3 bei Meister Bietigheim. Danach war Schluss. Seither klebt den Huskies das Pech am Schläger.

Das ist aber nicht alles. Mittlerweile spielen die Kasseler auch immer weniger Chancen heraus. Im Derby am vergangenen Freitag musste Frankfurts Torhüter Bastian Kucis kaum eingreifen. Die Schussversuche blieben meist am Gegenspieler hängen. Statistiken sagen nicht immer alles, aber: Die Huskies haben in der Saison 453 Torschüsse abgegeben. Das ist mit Abstand die schlechteste Zahl. Zum Vergleich: Bei Spitzenreiter Frankfurt sind es 665. Auch ein Top-Mann wie Richie Müller (8 Tore) hat sich von dieser Misere anstecken lassen und sticht derzeit nicht einmal durch Schnelligkeit hervor.

3. Weil die Ausländer nur Ligadurchschnitt sind: Wer einen Blick auf die 100 besten Topscorer der DEL2 wirft, der muss den Blick weit nach unten wandern lassen, bevor er auf Matt Neal und den derzeit verletzten Sam Povorozniouk stößt. Der Kanadier und US-Amerikaner bleiben weit hinter den Erwartungen zurück – und gerade sie sind es ja, die in schwierigen Situationen gesucht werden. Unter den zehn besten Topscorern sind sieben Ausländer zu finden, auf Platz eins steht mit 33 Punkten Kaufbeurens Finne Sami Blomqvist. Neal taucht erst auf Position 82 auf (1 Tor, zehn Vorlagen), auf 88 Povorozniouk (3/7). Der Kanadier Mark MacMillan, kurz vor dem Derby verpflichtet, hat sich in den bisherigen beiden Einsätzen an dieses enttäuschende Niveau angepasst.

4. Weil die Kooperation nicht fruchtet: Optimal geht anders. Ein Jahr nach dem enormen Verletzungspech der Adler Mannheim hat nun auch Wolfsburg, der neue Partner der Huskies, die Seuche am Schläger und steckt als Vorletzter der DEL in der Krise. Weil immer neue Spieler ausfallen, stellen die Niedersachsen seit Wochen meist nur einen ihrer drei Förderlizenzler nach Kassel ab. Dabei haben sich Eric Valentin, Valentin Busch und Alex Karachun als Verstärkungen erwiesen. Weiterer Nachteil für die Huskies: Anders als die Förderlizenzler aus Mannheim trainieren die Wolfsburger nicht kontinuierlich in Kassel.

5. Weil die Tiefe im Kader fehlt: Es war eine Entscheidung von Geschäftsführer Joe Gibbs und dem damaligen Cheftrainer Rico Rossi, mit einem kleinen Kader die Saison zu beginnen und dann gezielt nachzubessern. Da die Zusammenarbeit mit Wolfsburg nicht wie geplant läuft und Leistungsträger in der Formkrise stecken, fällt die fehlende Tiefe doppelt ins Gewicht.

6. Weil auf „Jugend setzen“, Geduld erfordert: Die nächste Generation der Kasseler Jungs um Tim Lucca Krüger, Bastian Schirmacher und Lasse Bödefeld bekommt in der DEL2 ebenso Einsatzzeiten wie Torhüter Leon Hungerecker. Das ist gut und wichtig. Sie sammeln Erfahrungen, entlasten die Arrivierten. Aber sie bringen noch nicht die Erfahrung von Gleichaltrigen mit, die bereits bei DEL-Teams unter Vertrag stehen. Das Kasseler Quartett braucht bei allem Vertrauen der Verantwortlichen auch Zeit, sich auf das höhere Niveau der DEL2 zu gewöhnen.

7. Weil um die Huskies ein Stimmungstief herrscht: Und das ist ja nicht erst so, seit die Krise wirklich da ist. Die Dauer-Treibjagd auf Ex-Trainer Rico Rossi, die im Internet über die Jahre hinweg stattfand, hat – gerechtfertigt oder nicht – in ihrer Maßlosigkeit wie ein Virus hineingewirkt in die früher so verschworene Huskies-Gemeinde. Das „Wir-Gefühl“ ist etwas verloren gegangen, worunter auch die Mannschaft, und da vor allem die Kasseler Spieler, gelitten haben. Die Hoffnung auf Besserung ist aber spätestens seit dem tapferen Dauersingen auf dem Heuboden am Freitag zurück.

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