Kandidatin für CDU-Vorsitz

AKK kassiert bei „Illner“ zwei Breitseiten - und spricht über Streit mit Merkel

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Annegret Kramp-Karrenbauer am Donnerstag bei „Maybrit Illner“.

Annegret Kramp-Karrenbauer könnte Angela Merkels Nachfolgerin werden - bei „Maybrit Illner“ bekommt „AKK“ aber erstmal viel Skepsis zu hören. Und verrät Brisantes zwischen den Zeilen.

Berlin - Es kribbelt dieser Tage ein wenig in der CDU: Nach 18 Jahren hat Angela Merkel ihren Rückzug als Parteichefin angekündigt. Und auf einmal kommt Bewegung in die Partei. Parteiflügel bringen Kandidaten in Stellung, es wird gar über baldige Wechsel im Kanzleramt und über völlig neue inhaltliche Ausrichtungen beider Koalitionsparteien spekuliert.

Da ist es tatsächlich schon ein kleiner Hingucker, wenn die CDU-Generalsekretärin in einer Talkrunde sitzt. Zumindest, wenn sie sich so wie Annegret Kramp-Karrenbauer gute Chancen auf die Macht in der Nach-Merkel-CDU ausrechnet - und früher oder später sogar nach der Kanzlerschaft greifen könnte. 

Beides hat Kramp-Karrenbauer am Donnerstag bei „Maybrit Illner“ im ZDF bestätigt, wenn auch etwas widerstrebend. Zugleich gab AKK Einblicke in die Hoch- und Endphase der Ära Merkel. Und bekam trotz professionellem Auftritt gleich zwei volle Breitseiten von den älteren Herren in der Runde ab.

„Maybrit Illner“ im ZDF: Kramp-Karrenbauer hat das mit der Kanzlerschaft „klar“

Zunächst zur Vergangenheit: "Ich habe mich einige Male mit Angela Merkel gestritten, und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Sie kann auch äußerst laut werden", unterstrich Kramp-Karrenbauer - die selbst als Merkel-Kopie gehandelt wird - die Autorität der Kanzlerin. Auch wenn dafür der Verweis auf interne Telefonate herhalten musste.

Gleichzeitig gab sie einen bemerkenswerten Ausblick auf ihre mögliche Agenda als Merkel-Nachfolgerin. „Den Diskussionsstil in der Partei“ wolle sie ändern, sagte Kramp-Karrenbauer auf die Frage nach ihrem Hauptreformanliegen. Klang nicht nach großer Revolution - erinnerte aber gewaltig an die Argumente rund um die für Merkel schmerzliche Abwahl Volker Kauders als Fraktionschef. Und ob Merkel nach dem Abgang von der Parteispitze Kanzlerin bleibt? „AKK“ bemüht Floskeln: „Solange sie eine Mehrheit hat...“

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Kann „AKK“ auch die Wahl in der CDU gewinnen - und will sie selbst Kanzlerin werden? Das wollte Illner wissen. „Am Ende des Tages wollen die Menschen auch jemand, der es ernst mit ihnen meint“, sagte Kramp, „und insofern schätze ich meine Chancen als nicht so schlecht ein.“ Und weiter: „Wenn man sich um das Amt der Parteivorsitzenden der CDU, der größten Volkspartei, bewirbt“, dann müsse man das mit der Kanzlerschaft „für sich klar haben“.

Kubicki lobt bei „Illner“ Merz - Kramp-Karrenbauer schweigt

Soweit hatte sich Kramp-Karrenbauer solide - wenn auch eher spröde - präsentiert. Trotzdem musste die Noch-Generalsekretärin mehrere massive Breitseiten der süffisanten Art einstecken. Eine davon gleich mehrfach, von Edmund Stoibers früherem Wahlkampfberater Michael Spreng und von FDP-Vize Wolfgang Kubicki. 

Mit den Worten "Kramp-Karrenbauer ist mit Sicherheit die Kandidatin der Herzen, aber Merz ist der Kandidat der Machtvernunft", startete Spreng schon in die Sendung. Im Laufe der Runde fügte er hinzu: Sie habe zwar die höheren Sympathiewerte in der Partei - aber Friedrich Merz das Zeug, konservative Wähler und AfD-Wähler für die CDU zurückzugewinnen. Widerspruch kam von Linke-Vize Janine Wissler: Mit den Worten "Friedrich Merz steht für den Neoliberalismus der Neunzigerjahre, der gescheitert ist“, goss sie Wasser in den Wein der Merz-Fans.

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Kubicki hingegen stimmte gerne ein. "Wenn die CDU Wohlbefinden haben will, wird die CDU Kramp-Karrenbauer wählen. Wenn sie Wahlen gewinnen will, wird sie Friedrich Merz wählen". Und setzte noch einen drauf: „Wenn sie Wahlen nicht gewinnen will, finde ich das auch gut“, grinste er. Kramp bemühte sich um einen neutralen Gesichtsausdruck - und schwieg. Ob er Merz oder Jens Spahn als CDU-Parteivorsitzende fürchten würde? "Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel“, erklärte Kubicki.

Heikel wurde es für „AKK“ auch noch einmal, als Spreng ein Zitat aus dem Jahr 2015 hervor zog. Damals hatte Kramp-Karrenbauer vor der „Homo-Ehe“ als Dammbruch in Richtung aller möglicher gesetzlich privilegierter Verbindungen gewarnt, bis hin zu Polygamie und Inzest. Der Ex-BamS-Journalist sieht darin  eine „reaktionäre“ Position. Kühnert bekannte, als schwuler Mann fühle er sich bei solchen Aussagen „schon ein bisschen befremdet“. Kramp geriet da sichtlich in die Defensive.

„Maybrit Illner“: Kühnert will nicht auf Merz oder Spahn als Merkel-Nachfolger hoffen

Zuletzt machten Spreng und Kühnert im Verbund dann übrigens noch die Hoffnung zunichte, ein Führungswechsel bei der CDU könne die Sozialdemokraten beleben helfen. Ein konservativer Hardliner wie Merz an der Spitze? „Das wäre zu billig“, konstatiert Kühnert. Die SPD müsse ihre Probleme schon selbst lösen - eine eigenständige SPD habe „auch zu Frau Kramp-Karrenbauer genügend Kontrast“, betonte er. 

Ex-Unionsberater Spreng wiederum riet Kühnert und weiteren GroKo-Kritikern ziemlich plakativ davon ab, die Konsolidierung abseits der GroKo in der Opposition zu versuchen. Kühnert empfehle mit dem Ausstieg aus der Koalition „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“ und sei somit der „Sterbehelfer der SPD“.

So ganz stimmt das freilich nicht: Offen zum GroKo-Ende rufen wollte auch der Juso-Chef zuletzt nicht. Und so bleibt es wohl dabei. Die SPD bleibt vorerst in der Umklammerung der Union gefangen. Egal, ob unter der Führung von „Tod“ oder „Teufel“ - oder von „AKK“.

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fn

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