Premiere in Kassel

Weihnachtsmärchen im Opernhaus: Viel Beifall für "Der gestiefelte Kater" 

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Pfiffig: Tim Czerwonatis als gestiefelter Kater.

Schuhe machen Leute, könnte das Motto des diesjährigen Weihnachtsmärchens am Kasseler Staatstheater lauten. Ulrike Hatzers bunte Inszenierung des Grimm-Märchens "Der gestiefelte Kater" stieß bei der Premiere auf viel Zustimmung.

Ein Hofstaat in Pantoffeln. Der König (Thomas Gerber) ist hilflos und jähzornig zugleich und entlässt im Handstreich sämtliches Personal. Bis auf Diener Gustav (Enrique Keil), der in hübschester Identitätsverrenkung Narr, Jäger, Wache und Rebhuhn-Koch sein soll. Möglichst soll er sich dann auch selbst bestrafen, wenn die eine oder andere Rolle nicht optimal ausgefüllt war. Je nach Funktion schlüpft Gustav in unterschiedliche Pantoffeln. Schuhe machen hier Leute.

Identitäten und die Suche nach dem passenden Ich stehen im Zentrum des Weihnachtsstücks für Kinder, das das Kasseler Staatstheater im Opernhaus zeigt. Die Premiere von „Der gestiefelte Kater“ von Thomas Freyer frei nach den Brüdern Grimm am Mittwochmorgen wurde vom jungen Publikum – das Stück wird empfohlen ab sechs Jahren – freudig beklatscht.

Tim Czerwonatis als beweglich-eleganter, pfiffiger und sehr kitzliger Kater gewinnt sein Standing schließlich ebenfalls durch die glänzenden Stiefel, die er aus dem auf der Bühne omnipräsenten Schuhschrank aus Turnschuhen, roten Pumps, Gartengaloschen und Schnürschuhen herausfischt (Bühne: Marianne Hollenstein).

Sein Gefährte, Müllerssohn Hans (Artur Spannagel mit viel Lust am Slapstick), muss ebenfalls herausfinden, was er im Leben will, schließlich erbt er nichts und wird von Zuhause vertrieben. Gold? Braucht er längst nicht so viel, wie es der Kater als königlicher Rebhuhn-Lieferant unermüdlich anschleppt. Auch die Prinzessin (Vanessa Wirth) stellt fest, dass ihr toller Status ihre Einsamkeit nicht aufwiegt.

Geheiratet wird am Ende übrigens nicht, das junge Paar entscheidet einfach, zusammenzubleiben, weil das schließlich am schönsten ist.

Regisseurin Ulrike Hatzer hat eine bunte, fröhliche Inszenierung auf die Bühne gebracht, die spürbar auch auf nachdenkliche Töne setzt und mit wenig Spektakel auskommt. Vielleicht ließe sich die eine oder andere Szene noch etwas straffen und die Textverständlichkeit in Momenten, wenn die Musik laut ist, noch feinjustieren.

Christine Weghoff (Komposition) und ihre Mitmusiker spielen mit Akkordeon, Saxofon und Percussion auf der Bühne auf, oft klatscht der ganze Saal mit. Zu den Highlights gehören die Auftritte von Peter Elter als Zauberer mit viel Blitz und Donner, der beim Einschweben auf dem Hoverboard fast aussieht wie Obi-Wan Kenobi mit einem Laserschwert (Kostüme: Verena Waldmüller). Und natürlich Enrique Keil als wunderbarer Diener Gustav, der sich in seiner bezwingenden Höflichkeit so verausgabt, dass er sogar auf zwei Besenstiele gestützt schlafen kann.

Opernhaus, zahlreiche Termine, für Schulklassen: Christa Müller, Tel.: 0561 / 1094 270.

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