Prozess läuft am Amtsgericht Kassel

Zusammenbruch auf Fußballplatz: Spieler bewusstlos und über Nacht in Klinik

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Zweikampf oder Tätlichkeit: Hier geht Wolfsangers Naci Kara (rechts) nach einem Zweikampf mit Ruhi Cinar zu Boden. Kara sagt, das sei aber nicht die Szene, die zum Prozess führte.

Ein Amateur-Fußballer soll auf dem Platz zum Opfer einer Körperverletzung geworden sein. Ein Spieler aus dem gegnerischen Team soll das Opfer so angegangen sein, dass es bewusstlos zu Boden ging.

War es ein normaler Zweikampf oder eine vorsätzliche Körperverletzung auf dem Fußballplatz? In der Verhandlung gegen den 36-jährigen Spieler-Trainer des SV Nordshausen fand das Amtsgericht Kassel noch keine Antwort. Die soll am Dienstag, 11. Dezember 2018, folgen.

Der Vorwurf: Nordshausen Co-Trainer Ruhi Cinar soll in der Kreisoberliga-Begegnung mit dem TSV Wolfsanger am 10. September 2017 den gegnerischen Stürmer Naci Kara mit einem gezielten Ellenbogenstoß gegen den Kehlkopf so schwer verletzt haben, dass der eine Nacht im Krankenhaus verbringen musste. Cinar bestreitet das und spricht von einem normalen Abwehrverhalten.

Was war geschehen: Im Spitzenspiel der bis dahin punktgleichen Mannschaften führt Nordshausen mit 2:0, als in der 84. Minute Spielertrainer Cinar eingewechselt wird. Jetzt wird´s schon schwierig: Angeblich rauscht Cinar gleich mit Wolfsangers bestem Stürmer Kara zusammen. Angeblich droht er, ihn bei der nächsten Aktion verletzten zu wollen. Stimmt nicht, sagte Cinar jetzt.

Beim folgenden Freistoß sind etwa 20 Spieler dicht gedrängt in und am Strafraum. Cinar und Kara treffen wieder aufeinander, wenig später liegt der junge Wolfsangerer bewusstlos am Boden – am Hals getroffen vom Ellenbogen des anderen. Er kommt zu sich, steht auf, geht ein paar Schritte und fällt wieder zu Boden. „Leg dich wieder hin“, soll sein Vater und Wolfsangers Co-Trainer ihm auf Türkisch zugerufen haben

Der junge Schiedsrichter zeigt Cinar erst gelb, wenig später gelb-rot. Die Partie wird abgebrochen.

Mehr erfahren: Eklat bei Nordhausen gegen Wolfsanger: Partie endete mit Abbruch

Kara kommt ins Klinikum, die Computertomografie zeigt keine Verletzungen, er bleibt über Nacht im Krankenhaus. Am nächsten Wochenende steht er wieder auf dem Platz.

Sportgericht wertet Partie mit 3:0 für Nordshausen

Das Sportgericht wertet die Partie später mit 3:0 für Nordshausen, weil sie nicht hätte abgebrochen werden dürfen. Das Verfahren gegen Cinar wird wegen fehlenden hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Die Zeugen – meist Mitspieler – schildern das Geschehen vor Gericht unterschiedlich: Die Nordshäuser haben keinen gezielten Schlag gegen den Hals gesehen, die Wolfsangerer schon.

Mit dem Fußball verbandelt sind alle Prozessbeteiligten: Verteidiger Hardy Busse war mal Trainer in Nordshausen und selbst Oberliga-Spieler, Staatsanwalt Werner hat jahrelang gespielt, auch Richter Leyhe hat gekickt.

Ankläger Werner sagt: „Wer den Fußballplatz als Spieler betritt, stimmt der Körperverletzung im Rahmen der Regeln zu.“ Der Richter hält auch eine Bewertung des Geschehens als fahrlässige Körperverletzung als Bestandteil eines Kampfspiels für möglich.

Wer nun zur Verhandlung nicht kam, war der Schiedsrichter. Richter Leyhe brummte ihm dafür ein Ordnungsgeld auf und ordnete zudem seine polizeiliche Vorführung zum nächsten Verhandlungstermin am Dienstag, 11. Dezember, ab 10 Uhr in Saal D115 an. Der einzige neutrale Zeuge wird gebraucht, damit das Strafgericht ein Urteil fällen kann.

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